Neues aus Spandau: Die gefakte “Online-Sprechstunde” von Lars Reinefahl

www.lars-reinefahl.de, Sreenshot v. 05.08.2011Man könnte sich fragen, was mich das Geplänkel im Spandauer Wahlkampf interessiert. Die Antwort ist: An sich gar nicht. Aber das, was die Junge Union Spandau und ihre Mutterpartei sich im Vorfeld der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus leistet, ist symptomatisch für eine Politik, die modern und bürgerfreundlich erscheinen will, dann aber doch nicht die Finger von der alten Trickkiste Manipulation lassen kann. Das Problem ist nur: Das Web 2.0 hat seine eigenen Regeln.

Gestern berichtete ich über die Kritik der Jungen Union Spandau an einem Link der Jusos auf eine Elektropunk Band (Stichwort: “linksradikale Hasskultur”) und Leo M., Vorsitzender der Schülerunion Spandau, der diese Kritik mit dem Kommentar untermauerte, wie weit radikale Hasskultur führen könne, habe man ja in Oslo gesehen.

Als Fans des Indie-Labels Audiolith, die Seite der JU Spandau bevölkerten und die Äußerung entsprechend würdigten, griff Leo M. zur Zensurschere und löschte nicht nur seinen eigenen Kommentar, sondern alle Kritik daran gleich mit. Blöd nur, dass zu diesem Zeitpunkt bereits Screenshots hierüber kursierten. Leo M. musste schließlich zurückrudern und gab an, das Löschen der Kommentare sei “eine Panikreaktion” gewesen.

Der Zufall wollte es aber, dass Lars Reinefahl, Wahlkreiskandidat der CDU Spandau, sich am gleichen Tag “den Fragen der Facebook-Nutzer” in einer Online-Sprechstunde stellen wollte (vgl. Screenshot). Natürlich wurde er direkt mit unangenehmen Fragen konfrontiert, nämlich:

Frage: Guten Abend Herr Reinfahl, meine Frage heute wäre, ob sie sich auch von der Elektropunk Band Egotronic distanzieren?
Antwort: Hallo Herr Wolf, die Band Egotronic ist mir nicht bekannt. Ich kann mich also zu diesem Thema nicht äußern.

Frage: Meine Frage wäre: Sind sie überhaupt hier gerade, oder ist das nur ein billiger Wahlkampftrick?
Antwort: Ehrlichkeit und Vertrauen sind die Attribute, auf die ich sehr großen Wert lege. Daher sitze ich selbstverständlich vor dem Rechner und bin gespannt auf Ihre Fragen.

Frage: Wie stehen sie eigentlich zu der christlichen Plattform kreuz.net? Sehen sie die dort getätigten Äußerungen noch von einer grundgesetzbasierten Demokratie gedeckt? (…)
Antwort: Ich kenne diese Internetseite nicht.

Frage: Wie stehen Sie zu der überdurchschnittlichen (im Bundesvergleich) explosiven Mietpreisentwicklung in Berlin (…)
Antwort: Ich bin kein Mietenexperte. Aber ich teile Ihre Meinung, dass die Mieten in Berlin unter der Berücksichtigung der Berliner Einkommensverhältnisse zu hoch sind. (…)

Zum Glück kam nach soviel versteckter Kritik auch endlich mal eine angenehme Frage. Denn, auch wenn Reinefahl kein Experte in Sachen Junge Union, christlicher Fundamentalismus und Mietpreisentwicklung ist; Was “Hundehaufen” betrifft scheint er sich auszukennen:

Um es abzukürzen: Reinefahl bekam in der “Online-Sprechstunde” gerade einmal zwei Fragen gestellt, bei denen er Punkten konnte, beide durch eine gewisse Melanie Knoppke.

Werfen wir nun einen unvoreingenommen Blick in die Kandidatenliste der Spandauer CDU. Und wir erinnern uns, “Ehrlichkeit und Vertrauen sind die Attribute, auf die [Reinefahl] sehr großen Wert” legt:

Jetzt mal im ernst: Listenplatz 6 stellt Fragen an Listenplatz 5? Da fragt man sich doch, ob das Herrn Reinefahl nicht selbst peinlich ist. Und falls nicht: Für wie blöd die CDU Spandau ihre Facebook-Nutzer eigentlich hält.

Genau das habe ich die CDU Spandau auch gefragt. Ihre Antwort: Löschen meines Posts, Verbannung als Fan, Entzug des Schreibrechts. Wie gesagt: Die alte Trickkiste. Von Bürgernähe jedenfalls ist die CDU so weit entfernt, wie ein Schwein vom Fliegen.

15 comments

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  2. spahapi

    > Das Problem ist nur: Das Web 2.0 hat seine eigenen Regeln.

    Naja, ein “Problem” scheint das nur für die Alt-Parteien zu sein, wenn man liest, das diese sich zu einer Online-Sprechstunde einfinden um sich gegenseitig dann ein “Hauen und Stechen” zu liefern 😀

    LMAO

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  11. shelmo

    z.K.: Den Kommentar von Chrissi mit privaten Schilderungen zur Person Lars Reinefahl habe ich ausgeblendet und mich mit Chrissi in Verbindung gesetzt, da ich die Äußerungen für rechtlich angreifbar halte.

  12. Chrissi

    Vermutlich hat Elmar Recht.
    Ich bin mir sogar ziemlich sicher, daß Elmar Recht hat.
    Und es würde genau ins Persönlichkeitsschema von Lars Reinefahl passen rechtliche Schritte einzuleiten.
    Ich denke einige Worte können durchaus als Beleidigung aufgefasst werden, gleichwohl sie nicht mehr sind als eine Zustandbeschreibung.
    Insofern gilt mein Dank Elmar, daß er mich davor bewahrt hat mich möglicherweise in unnötigem Umfang mit diesem Geschöpf befassen zu müssen.
    Wenn es jemanden interessiert kann er mich gerne anschreiben, ich werde bis dahin an einer beleidigungsfreien Formulierung arbeiten.

    Vielen Dank und Grüße am allen. *gg*

    Chrissi

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