Linksradikale Hasskultur in Spandau

Ein Schwank aus den Weiten des Web 2.0: Am Dienstag posteten die Jusos Spandau auf ihrer Facebook-Pinnwand eine Vertonung des englischen Fußball-Schlachtgesangs Ten German Bombers durch “Torsun feat. Koks & Pillen”. Der Song hat es nicht ganz zu Unrecht auf den Sampler Ballermann: Die Weltmeister-Hits 2006 “geschafft”. Torsun seinerseits ist Mitglied der Elektropunk-Band Egotronic.

Grund genug für die Junge Union Spandau den Jusos auf ihrem Blog eine “gefährliche Nähe zu Linksradikalen” zu attestieren und eine deutliche Distanzierung von dieser “linksradikalen Hasskultur” einzufordern. Ein gefundenes Fressen für Audiolith Records, dem Plattenlabel von Egotronic, das es seinen 18.000 Facebook-AnhängerInnen am Mittwoch zum Mittagstisch servierte.

Als die Diskussion auf der Facebook-Seite der JU Spandau dann langsam ins Rollen kam, fiel auf, dass Leo M., seinerseits Vorsitzender der Schülerunion Spandau, die Kritik der JU tatsächlich mit den Worten kommentiert hatte, wie weit radikale Hasskultur führen könne, habe man ja in Oslo gesehen.

Dass die Anschläge eines nationalkonservativen Islamhassers, bei denen u.a. 68 norwegische Jusos ihr Leben verloren haben, nun als Argument gegen einen Link auf eine Elektropunk-Band dienen sollte, ließ dann auch mich nicht kalt. Denn Rechts- und Linksradikalismus läßt sich genauso wenig in einen Topf werfen wie das Massaker von Utøya mit Elektropunk. Wie die taz erst kürzlich feststellte, hat in Deutschland die Verharmlosung rechter Gewalt mit Verweis auf Linke leider Tradition.

Oder wie Thomas Delecat richtig analysiert:

Dahinter steckt nicht weniger als die konsequente Anwendung der Extremismustheorie – und ihrer Tendenz, zunehmend den Rahmen dessen, was noch als “legale Meinung” akzeptiert wird, zu verengen. Freiheit ist was anderes.

Das Ergebnis: Weiterer Protest, ein JU’ler der in “Panikreaktion” Kommentare löscht, kritische Fragen bei der Online-Sprechstunde des CDU-Wahlkreiskandidaten Lars Reinefahl, sowie eine Facebook-Seite namens Linksradikale Hasskultur mit 250 AnhängerInnen und eigenem T-Shirt. Ein Hoch auf die linksradikale (Hass-)Kulturindustrie!

6 comments

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  2. Impi

    Man fragt sich bisweilen ja auch, welchen politischen Freiheitsbegriff Nachwuchspolitiker haben, die Links und Rechts in einen Topf werfen und diese Meinungen dann pauschal versuchen zu kriminalisieren.

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  4. Spandau-Beobachter

    Klappern gehört bekanntlich zum Handwerk. Und auf FB und im Web läßt es sich auch einfach, schnell und manchmal sogar unkontrollierbar laut klappern.

    Dabei kommen dann – wie man lesen kann – ganz schnell schrille Wahlkampftöne heraus. Diese sind kurz vor der Berliner Wahl nichts wirklich erstaunliches, bringen jedoch beide Spandauer Ortsgruppierungen jedoch nicht wirklich weiter. Schon mal gar nicht, wenn man sich in der schnell aufgeheizten Stimmung in solche diskursiven Sumpfgebiete begibt, wie die beteiligten Jungpolitiker in Spandau.

    Statt unreflektiert die ideologischen Feinbilder der eigenen Fraktion zu kultivieren, sollten die Kombatanten mal an die anvisierte Zielgruppe denken. Und der interessierte (Jung-) Wähler – um den es ja eigentlich gehen sollte – wird davon nicht nachhaltig beeinflußt. Was die Bürger wissen wollen ist doch nicht, welche Musik hörfähig ist, sondern wo Sie morgen arbeiten, leben, lieben, feiern, sich fortbewegen etc pp.

    In diesem Sinne wünscht sich der Kommentator einen weiterhin zielführenden Wahlkampf in Spandau. Und auch ein wenig mehr Nachdenken, wenn ich im Web so einen Diskurs anzettele, der dann schneller als mir lieb ist nach hinten los gehen kann.

    Euer Spandau-Beobachter

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