Palandt, Sarrazin und die deutsche Geschichte

Heute kaufte ich mir den Palandt, den BGB-Kommentar für mein zweites Staatsexamen. An der Kasse liegt und steht und stapelt sich das jüngste Buch von Sarrazin. Der habe mit vielen Dingen, die er sage, gar nicht so unrecht, meint die Kassiererin. Dass Türken dumm, Chinesen schlau und deshalb Chinesen statt Türken einwandern sollten, finde sie aber nicht. Ob er das denn so wörtlich gesagt habe. Die Kundin an der Nachbarkasse, die das Buch gerade ersteht, meint, die Deutschen hätten ein Problem mit ihrer Geschichte und trauten sich deshalb nicht, das zu sagen, was Sarrazin sagt. Ich entgegne, die Geschichte lehre, dass man den Anfangen wehren müsse und dass das ein Anfang sei. Und dass das, was damals dumm war, heute noch genauso dumm sei. Sie meint, die Deutschen hätten aus der Geschichte gelernt und bezahlt ihr Buch. Ich bezahle den Palandt. Otto Palandt trat 1933 in die NSDAP ein und war einer der einflussreichsten Juristen des “Dritten Reichs”. Er meinte, zu den erforderlichen Kenntnissen im ersten Staatsexamen gehöre “vor allem die ernsthafte Beschäftigung mit […] dem Gedanken der Verbindung von Blut und Boden, von Rasse und Volkstum”. Wenn ich in meinem Examen nächste Woche ein Problem recherchiere, werde ich die Antwort in einem Buch suchen, das seinen Namen trägt.

Kommentar verfassen

Du kannst die folgenden HTML-Codes verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>