Kategorie: Kunst

Anatomie der Impulse

Als Friedrich seinen Neffen so versagt sah, nahm er ihn beiseite und sprach zu ihm:

Siehe, wenn mich eine Aufgabe drängte, aber ich verspürte Angst in meinem Bauch, dann fragte ich mich stets, ob diese denn wirklich so gefährlich sei. War sie es, so hielt ich sie von mir fern. War sie es aber nicht, so freundete ich mich mit ihr an und bewältigte sie, so gut ich eben konnte. Und hierdurch wuchs ich an ihr.

Verspürte ich aber in meiner Brust Tatendrang, so überlegte ich nur kurz, ob er gegen ein Prinzip verstoße, das ich mir gesetzt hatte. War dem nicht so, so hielt ich alle Bedenken hiervon fern. Denn ein solcher Impuls braucht keine Relativierung, sondern Bestärkung. Er enthält das Begehren ebenso wie den ungehobelten Instinkt. Noch niemand ist mir begegnet, der nach einem solchen Impuls gehandelt und dies bereut hätte.

ليلى

Wenn ich sage »Ich liebe dich«, dann meine ich die Welt in dir und dich in der Welt;
die mir so beseelt ist von deiner Zuversicht und Herzlichkeit;
den Glanz in unseren Augen, wenn wir es wagen, uns anzusehen und Eins zu werden.

Mit nicht mehr als diesem Blick will ich uns festhalten und wiederfinden.

Tülip-tülip-tülip

Ein einzelner Singvogel kündigt den Frühling an
Unbeeindruckt vom Kalt und Grau, das ihn umgibt.
Was auch gewesen, nimmt das Leben neuen Anlauf:
Tülip-tülip-tülip; Tschidi-trü, tschidi-trü, tschidi-trü!

Und K. erblühte

Als K. die Augen öffnete, war es bereits Mittag. Er musste gut vierzig Stunden geschlafen haben. Er war noch gezeichnet von der seltsamen Krankheit, die ihn vor einiger Zeit heimgesucht hatte. Doch K. hatte sie überlebt. Als er sich seiner eigenen Existenz gewiss wurde, hob er mühsam den Kopf und schaute an sich hinunter. Die Krankheit hatte ihn auf ein Zehntel seiner eigentlichen Körpergröße schrumpfen lassen. Weiterlesen

Gedanken eines Fahrradfahrers

Es hatte lange gedauert, bis er einsah, dass sie Recht hatten. Genau genommen, und man musste es genau nehmen, waren es 26 Jahre, 2 Monate, 1 Tag, 18 Stunden und 57 Minuten.

„Sie“, das war keine einheitliche Gruppe, der man ansah, welche Meinung sie vertrat. Eigentlich vertraten sie auch keine gemeinsame Meinung. Es war eher eine bestimmte Herangehensweise, eine Art Lebensauffassung, die sie teilten. Selten wurde sie ausdrücklich geäußert. Viel häufiger zeigte sie sich ganz unscheinbar, als alltägliche Selbstverständlichkeit. Beim Einsteigen in die Straßenbahn etwa oder wenn im Supermarkt eine neue Kasse geöffnet wurde. Daran, wie man im Betrieb über die Kollegin sprach oder der Sachbearbeiter in der Agentur über seine „Kunden“. Besondere Bedeutung maß er jedoch dem Verhalten derer zu, die selbst vorgaben, nicht zu „ihnen“ zu gehören. Ihr Umgang mit Konflikten, der Grad ihrer Zuverlässigkeit, ihre Bereitschaft für Anerkennung und Zuspruch. Und überhaupt: War er denn je anders gewesen? Hatte er nicht selbst oft genug versucht seine Haut zu retten auf Kosten anderer? Weiterlesen

Lob der Atomkraft

Tschernobyl liegt nicht bei Kiel
Und auch nicht Fukushima
Der Osten kümmert uns nicht viel
Die Kernkraft, die ist prima!

Windräder, die machen Lärm,
Und Kohlestrom macht Falten
Kernkraftwerke ham wir gern
Drum bitte nicht abschalten!

Auf Sonnenschein folgt Regen,
Nun höret unser Munkeln:
Die Kernkraft ist ein Segen.
Wer sitzt schon gern im Dunkeln?

(der heutigen Grünen-BDK gewidmet)